Perspektiven einer Systemtheorie öffentlicher Kommunikation

Veröffentlicht von lgerlach am

Luhmanns System der Massenmedien (vgl. Luhmann 1996) hat inner- wie außerhalb der Kommunikationswissenschaft große Resonanz hervorgerufen (vgl. überblicksartig Weischenberg 2000). Gerade von kommunikationswissenschaftlicher Seite wurden zentrale Leitideen des Luhmannschen Entwurfs indes auch dezidiert kritisiert. Die Kritik richtete sich hierbei einerseits gegen die konkrete Anwendung systemtheoretischer Denkzüge auf den Gegenstandsbereich und argumentiert so gesehen mit Luhmann gegen Luhmann. Andererseits wurde auch kritisiert, dass die Modellierung eines Systems Massenmedien weitgehend systemische wie nicht-systemische Theoriebestände der Kommunikationswissenschaft ignoriert und dadurch gelegentlich Gefahr läuft, das Rad neu — und mitunter quadratisch — zu erfinden. Bei alledem darf nämlich nicht aus dem Blick geraten, dass das System der Massenmedien zwar einen markanten Wendepunkt in Luhmanns eigener Beschäftigung mit der Thematik darstellt — so wurde den Massenmedien hier erstmals Funktionssystemstatus zugeschrieben —, dass diese Beobachtung aber nicht auf die Kommunikationswissenschaft übertragen werden kann, die das Denken in Systemen schon sehr früh auf Teilbereiche medial vermittelter Kommunikation wie Journalismus und Public Relations (vgl. etwa Rühl 1979, 1980; Ronneberger/Rühl 1992) angewendet hat.