Die Publikumsstrukturierung eines Open-Air-Festivals für elektronische Musik

Veröffentlicht von sbackendorf am

Trotz der Etabliertheit und Bedeutsamkeit von Musikfestivals ist soziologische Forschung dazu ausgesprochen rar. Dies gilt für Festivals noch mehr als für einzelne Konzertpublika und für Festivals populärer Musik mehr als für solche klassischer Musik (Rhein 2010: 162 ff.).3 Auch international sind Publikationen zu Festivalpublika überschaubar und der Erkenntnisstand ist nicht sonderlich weit vorangeschritten (vgl. im Überblick Abreu-Novais und Arcodia 2013). Deshalb sollen im vorliegenden Beitrag Daten einer empirischen Publikumsanalyse präsentiert und reanalysiert werden, die im Jahr 2004 auf einem der größten deutschen Open-Air-Festivals für elektronische Musik – SonneMondSterne – im Rahmen einer Auftragsstudie erhoben wurden. Drei Zielsetzungen stehen im Vordergrund. Erstens soll das Publikumsprofil des Festivals dargestellt werden, um deskriptives Wissen zu diesem Gegenstandsbereich bereitzustellen. Da die Besucher trotz mancher Gemeinsamkeiten keine homogene Masse darstellen, wird das Publikum im zweiten Schritt mit einer multiplen Korrespondenzanalyse segmentiert. Dabei wird deutlich, welche Variationen in den kulturellen Präferenzen und Praktiken der Besucher bestehen und wie diese sozialstrukturell verankert sind. Das dritte Ziel ist stärker theoretischer Natur: Die bisherige Forschung, die Konzert- und Festivalpublika fast ausschließlich nach sozialstrukturellen Kriterien und nach Besuchsmotiven segmentiert, soll um eine Perspektive bereichert werden, die auf die Ausstattung der Besucher mit Musikkapital und ihre Einbindung in Musikszenen abhebt.